Chronik Rheinhessens
1816 – 2016
Diese interaktive Chronik bietet einen übersichtlichen Einstieg in 200 Jahre rheinhessische Geschichte.
1816
Besitzergreifungsurkunde des Großherzogs Ludwig I.

Aufgrund eines Staatsvertrags zwischen Preußen, Österreich und Hessen im Rahmen des Wiener Kongresses übernahm der in Darmstadt residierende hessische Großherzog den nördlichen Teil des Départements Donnersberg: Rheinhessen war geboren.
In der Besitzergreifungsurkunde garantierte der Großherzog die unter französischer Herrschaft eingeführten Privilegien zu bewahren. Die Mehrheit der linksrheinischen Bevölkerung war nämlich nicht bereit, diese Errungenschaften nun wieder aufzugeben.
1817
Die Gründung des Mainzer Turnvereins von 1817 e.V. und die Turnerbewegung in Rheinhessen

Mainz besitzt mit dem Turnverein MTV 1817 die zweitälteste Turngemeinde Deutschlands. Im 19. Jahrhundert war die Stadt eine der Hochburgen der deutschen Turnerbewegung, die Region Rheinhessen besaß ab den 1840er Jahren so viele Turnvereine und –gemeinden wie kaum eine andere Region. Hier ging es nicht nur um sportliche Betätigung, denn die Geschichte des Turnens ist eng mit dem Wunsch nach politischer Emanzipation verknüpft.
1818
Wahl des Provinzialrats

Die Wahl des Provinzialrats im Jahr 1818 war die erste Wahl einer Volksvertretung, welche im Großherzogtum Hessen stattfand. Bevor das Gebiet Rheinhessen im Jahr 1816 zum Großherzogtum kam, gab es hier bereits zu französischer Zeit eine Volksvertretung in Form des Départmentsrats, deren Rolle nun der Provinzialrat einnehmen sollte.
Regierungspräsidentschaft Freiherr von Lichtenbergs
Ludwig Christian Christoph Freiherr von Lichtenberg (1784-1845) wird erster Regierungspräsident von Rheinhessen mit Sitz im Erthaler Hof in Mainz. Er ist in hohem Maße mitverantwortlich für wirtschaftlichen Aufschwung Rheinhessens. Kaum ein anderer Politiker prägte die Region nach der Auflösung der deutschen Fürstentümer so wie er.
1819
Einrichtung einer Zensurbehörde in Mainz

Im Jahr 1819 wurde in Mainz die Zentralkommission zur Untersuchung hochverräterischer Umtriebe gegründet. Initiiert wurde sie vom damaligen österreichischen Staatskanzler Klemens Fürst von Metternich (1773-1859). Zweck der Behörde sollte die Untersuchung revolutionärer Umtriebe, vor allem im Milieu der Studenten, Professoren und Burschenschaftler sein. Die Gründung der Mainzer Zentraluntersuchungskommission leitete die umfassende Unterdrückung der liberalen Kräfte ein; ihre Arbeit war Sinnbild für das restaurative System des Deutschen Bundes.
1820
Neue Landesverfassung

Ludwig I. erließ eine Verfassung für das Großherzogtum Hessen. Es handelte sich um einen Kompromiss zwischen der monarchischen Herrschaftsgewalt und den bürgerlichen Freiheits- und Mitbestimmungsrechten. Trotz vieler Zugeständnisse blieb die politische Entscheidungsmacht auf den Großherzog und eine kleine politische Oberschicht begrenzt.
1823
Oppenheimer entwickelt ein Heilmittel gegen Malaria

Die Entdeckung eines Heilmittels gegen die Fieberkrankheit Malaria Mitte des 17. Jahrhunderts war ein Ereignis von welthistorischer Bedeutung. Kurze Zeit darauf gelang es deutschen und französischen Chemikern ein Medikament aus der sogenannten Chininrinde zu entwickeln. Es war jedoch erst der Oppenheimer Apotheker Johann Friedrich Ludwig Koch, der ein technisches Verfahren erprobte, das die Herstellung des Medikaments in großen Mengen ermöglichte. In Oppenheim entstand daraufhin im Jahre 1824 die erste Chininfabrik Deutschlands, die in kurzer Zeit auch weltweite Bedeutung erlangte.
1825
Erstes Dampfschiff am Rhein in Mainz

Durch die Einführung von Dampfschiffen um 1807 wurde die Schifffahrt revolutioniert und das Ende der traditionellen Segel-, Treidel- und Floßschifffahrt eingeläutet. Obwohl die Schifffahrtsverbände der Dampfschifffahrt ablehnend gegenüberstanden, wurde 1824 von Mainzer Unternehmern die Gründung einer Gesellschaft geplant, die sich die Errichtung einer Dampfschifflinie zwischen Mainz und Frankfurt zum Ziel setzte. Am 17. September 1825 erreichte der erste Dampfer, die de Rijn, die Stadt Mainz. Bereits wenige Wochen danach wurde in Köln die Preußisch-rheinische Dampfschifffahrtsgesellschaft gegründet.
1828
Zollvereinigung mit Preußen

Gegen Ende des Jahres 1827 wurde der hessische Unterhändler von Hoffmann in geheimer Mission nach Berlin geschickt. Dort verhandelte er im Verborgenen über einen möglichen Zollverein zwischen dem Großherzogtum Hessen und dem Königreich Preußen. Nur wenige Monate später wurde in einem Zollvereinsvertrag Aufsehenerregendes beschlossen: Das Großherzogtum Hessen trat dem preußischen Zollverein bei. Es handelte sich dabei um eine Zollunion auf Augenhöhe zwischen zwei souveränen Staaten. Dieser Verein gewann in Folge immer stärker an Boden und mündete 1834 im Deutschen Zollverein.
1831
Verabschiedung der Mainzer Akte

Zu einer Zeit als Dampfschiffgesellschaften die traditionellen Schifffahrtsgilden verdrängten und sich das gesamte deutsche Handels- und Zollwesen im Umbruch befand, trafen sich Vertreter der Anrainerstaaten des Rheins zu internationalen Verhandlungen in Mainz. Hier einigten sie sich auf gemeinsame Regelungen für die Schifffahrt auf dem Strom. Den 1831 verabschiedeten Vertrag bezeichneten sie als die Mainzer Akte. Ihr Geltungsbereich umfasste den gesamten Flussverlauf von Basel bis in die Niederlande.
1832
Das Hambacher Fest

Im Zuge der französischen Julirevolution (1830) wurden die bürgerlichen Rechte, insbesondere die Pressefreiheit, im Deutschen Bund stark beschnitten. Infolgedessen institutionalisierten sich liberale Bürger und Journalisten in Vereinen und auf Festen – besonders in der Pfalz. Der deutsche Preß- und Vaterlandsverein und dessen führende Köpfe Philipp Jakob Siebenpfeiffer und Georg August Wirth organisierten am 27. Mai 1832 ein Volksfest auf dem Hambacher Schlossberg. Vor nahezu 30.000 Menschen forderten die Redner Freiheit, Bürgerrechte und nationale Einheit.
1833
Eröffnung des Mainzer Stadttheaters

Nach einer lange unterbrochenen dreißigjährigen Planungs- und Bauphase wurde 1833 feierlich die Großherzogliche Nationalbühne Mainz eröffnet. Nach einer Rede vollendete die Eröffnung die dreistündige Vorstellung von W.A. Mozarts große heroische Oper Titus und Carl Maria von Webers Jubelouvertüre.
1834
Gründung der Lederwerke Cornelius Heyl in Worms

Mit der Gründung der Lederwerke Cornelius Heyl im Jahre 1834 wurde der Grundstein für die Lederindustrie in der Stadt Worms gelegt. Der Gründer Cornelius III. Heyl (1789-1858) schuf binnen weniger Jahre ein erfolgreiches Unternehmen auf Basis der Lederwerke, die bereits 1857 als größte Wormser Fabrik galt. Bereits 1839 war eine zweite Fertigungsstätte für Schuhleder in Betrieb genommen worden, weitere Produktionsorte folgten. Das Unternehmen wuchs rasant, 1873 arbeiteten etwa ein Drittel aller Wormser Industriearbeiter in den Heylschen Fabriken.
1838
Erster Rosenmontagszug 1838

Mit der Gründung der Mainzer Ranzengarde im Jahre 1837 und des Mainzer Carneval-Vereins im Jahre 1838 wurden die Grundsteine der langen Fastnachtstradition gelegt. Zugleich waren die Gründungen Teil eines allgemeinen Reformierungsprozesses der Fastnacht, der sich während des 19. Jahrhundert auch in anderen Städten Rheinhessens vollzog. Im Zuge dieser Reform organisierte der Mainzer Carneval-Verein neben Sitzungen und Possen auch erstmals den Rosenmontagszug, an dem die Ranzengarde als „Schutztrupp“ mitwirkte. Mit diesem Entwicklungsprozess ging eine Politisierung der Fastnacht am Vorabend der 1848er-Revolution einher.
1844
Gründung des Altertumsvereins Mainz

1844 wurde der Mainzer Altertumsverein als Verein zur Erforschung der Rheinischen Geschichte und Altertümer gegründet. Dies konnte jedoch erst nach mehrjährigem Bemühen geschehen, da die Regierung des Großherzogtums Hessen in dieser Hinwendung zur rheinischen Geschichte mögliche revolutionäre Tendenzen zu sehen glaubte. Der bis heute bestehende Verein ist über lokale Grenzen hinaus in seiner Arbeit bedeutend, seine wichtigste Veröffentlichung ist die Reihe Mainzer Zeitschrift. Bis heute übernimmt traditionell der amtierende Mainzer (Ober-)Bürgermeister den Ehrenvorsitz.
1846
Die Blütezeit der Turnerbewegung

Als im Frühsommer 1842 die sogenannte Turnsperre durch einen Regierungsbeschluss aufgehoben wurde, blühte die deutsche Turnerbewegung auf. Dies spiegelte sich sowohl in zahlreichen Neugründungen von Turnvereinen als auch in den Beitrittszahlen der Vereine wider. Auch in Rheinhessen bildeten sich viele neue Turngemeinden. Die Vereinsgründungen in Worms, Bingen und Oppenheim (1846) sind exemplarisch für diese Entwicklung. Viele dieser Vereine bestehen noch heute. 1847 fand in Bingen zudem die erste „Große nationale Turnfahrt“ statt, zu der 1.200 Turner aus allen deutschen Ländern anreisten.
1848
Die Revolution von 1848/49 in Rheinhessen

Die Revolution von 1848/49 gilt als einer der wichtigsten Marksteine auf dem Weg Deutschlands zu einem demokratischen Verfassungsstaat. Auch wenn ihre Ziele damals noch nicht durchgesetzt werden konnten, so war die von der Nationalversammlung in der Paulskirche ausgearbeitete und verabschiedete Verfassung Vorbild für die späteren Verfassungen von 1919 und 1949. Der Grundrechtskatalog von 1848 stellt heute einen zentralen Bestandteil unseres Grundgesetzes dar.
1849
Niederlage der rheinhessischen Freischar

Nachdem die Frankfurter Nationalversammlung gescheitert war und sich die Gegenrevolution formierte, versuchte das Stuttgarter Rumpfparlament, die Annahme der Reichsverfassung zu erzwingen. In der Pfalz proklamierte man die Loslösung von Bayern, um die Verfassung durchzusetzen. Zur Unterstützung des Pfälzischen Aufstands bildeten die beiden gebürtigen Mainzer Franz Zitz und Ludwig Bamberger ein etwa 1.500 Mann starkes rheinhessisches Freikorps unter dem Kommando des polnischen Majors Rouppert. Beim ersten Gefecht am 14. Juni 1849 wurde die Freischar im Schlossgarten von Kirchheimbolanden von preußischen Truppen geschlagen.
1850
Gründung der Sektfabrik Kupferberg

Die Sektkellerei Kupferberg wurde 1850 von Christian Adalbert Kupferberg in Laubenheim gegründet und war ab dem Jahr 1855 auf dem Kästrich in Mainz ansässig. Bereits seit Beginn der Firmengeschichte war die Familie Kupferberg äußerst erfolgreich. Noch heute ist ihre prämierte Marke Kupferberg Gold über die Grenzen von Rheinhessen hinaus bekannt. Die historischen Anlagen der Sektkellerei auf dem Kästrich können noch heute besichtigt werden. Sie beherbergen unter anderem eine Trinkgefäß- und Etikettensammlung.
1853
Inbetriebnahme der Eisenbahnlinie Mainz-Ludwigshafen

Im Jahr 1844 gründeten Mainzer Bürger eine Aktiengesellschaft, um eine Bahnlinie von Mainz über Worms und weiter nach Ludwigshafen zu verwirklichen. Im folgenden Jahr konstituierte sich die hessische Ludwigs-Eisenbahngesellschaft. Ihr traten auch Mitglieder der Mainzer Handelskammer bei, der hessische Staat beteiligte sich als Aktionär. Nach langen Verhandlungen und der Bewältigung etlicher Finanzierungsschwierigkeiten gab man im Jahr 1853 Abschnitt für Abschnitt die für die wirtschaftliche Bedeutung Rheinhessens sehr wichtige Verbindung zum Industriestandort Ludwigshafen für den Verkehr frei.
1856
Spaltung der jüdischen Gemeinde

Im Jahr 1853 kam es nach Streitigkeiten zu einer Aufspaltung der jüdischen Gemeinde in Mainz in Liberal-Reformierte und Orthodoxe. Zwar bildeten beide Gemeinden weiterhin eine einzige Körperschaft, doch entwickelten sie fortan ein eigenständiges Gemeindeleben mit eigenen Schulen und Einrichtungen. 1856 errichteten die orthodoxen Juden eine eigene Synagoge (1879 nach den Plänen des Stadtbaumeisters Kreyßig neu erbaut). Dieses eindrucksvolle Gebäude wurde in den Novemberpogromen durch Nationalisten geplündert, verwüstet und 1942 durch einen Bombenangriff völlig zerstört.
1858
Eisenbahntrajekte über den Rhein

Ein Eisenbahntrajekt (von lat. traiectus, „Überfahrt“) bezeichnet den Schifftransport von Eisenbahnfahrzeugen über Gewässer – beispielsweise über die Ostsee oder den Bodensee. Wenig bekannt ist demgegenüber, dass in den Anfangstagen des Eisenbahnverkehrs auch viele deutsche Flüsse mit Trajekten überwunden wurden. 1858 wurde eine solche Trajektlinie zwischen Mainz-Weisenau und Gustavsburg eingerichtet, 1861 kam eine weitere Verbindung zwischen Mainz und Kastel hinzu. Bis zur Erbauung der Rheinbrücken wurden auf diese Weise Eisenbahnwagen mit Raddampfern über den Rhein transportiert.
1868
Großherzog Ernst Ludwig von Hessen geboren

Der Großherzog Ernst Ludwig Karl Albrecht Wilhelm von Hessen und bei Rhein wurde geboren. Er trat sein Amt im Jahr 1892 an und behielt es bis zur Auflösung des Großherzogtums 1918. Er starb am 9. Oktober 1937 in Schloss Wolfsgarten bei Langen.
1871
Mainz wird Reichsfestung

Im Jahr 1868 begannen die Planungen zur Stadterweiterung der Festungsstadt Mainz. Die Gartenfeldfront im Raum der heutigen Kaiserstraße wurde niedergeworfen und das Gebiet des Gartenfeldes d.h. die Neustadt wurde mit dem neuen Rheingauwall umgeben. Es bot nun Platz für neue Wohnhäuser und Industriebetriebe. Die strategische Bedeutung der seit 1871 als Reichsfestung bekannten Stadt Mainz schwand zugunsten der nun zum Reich gehörenden Festungen Metz und Straßburg.
1875
Wahl des ersten Provinzialtags der Provinz Rheinhessen 1875
Am 25. Mai 1875 trat erstmals der Provinzialtag der Provinz Rheinhessen zusammen, nachdem alle rheinhessischen Kreise ihre Vertreter gewählt hatten. Pro 10.000 Einwohner hatten die Kreistage jeweils ein Mitglied des Provinzialtags für ihren Kreis gewählt. Die beiden kleinsten Kreise Alzey und Bingen konnten jeweils vier Mitglieder für den Provinzialtag wählen, Oppenheim fünf, Worms acht und Mainz als bevölkerungsreichster Kreis Rheinhessens 14. Der Provinzialtag entschied über sämtliche Selbstverwaltungsangelegenheiten der Provinz, besonders auch über die Ausgaben.
1884
Einweihung des Mainzer Hauptbahnhof

Im Jahr 1840 wurde der erste Mainzer Bahnhof auf der rechten Rheinseite in Kastel errichtet. Daraufhin forderte der auf der linken Rheinseite beheimatete Mainzer Handel den Bau eines linksrheinischen Bahnhofes. Dieser wurde am 23. März 1853 mit der Teilstrecke Mainz-Worms eingeweiht. Durch den stetigen Ausbau des Streckennetzes wurde die Kapazität des ersten linksrheinischen Bahnhofes zwischen Fischtor und Holztor überschritten und die Planung eines neuen Bahnhofs in Auftrag gegeben, woraufhin am 15. Oktober 1884 der Mainzer Hauptbahnhof eingeweiht wurde.
1885
Gründung von „Boehringer Ingelheim“

Albert Boehring (1861-1939), Gründer einer kleinen Weinsteinfabrik in Nieder-Ingelheim (1885), entdeckte im Jahr 1893, dass Milchsäure mit Hilfe von Bakterien in großen Mengen hergestellt werden kann. Dank dieser Entdeckung avancierte das Familienunternehmen zum Vorreiter im Bereich der biotechnischen Herstellung und gilt noch heute als größtes forschendes Pharmaunternehmen in Familienbesitz.
1889
Eröffnung des Spiel- und Festhauses Worms
Das Spiel- und Festhaus Worms wurde am 20. November 1889 eingeweiht. Der Berliner Architekt Otto March (1845-1913) hatte den Rundbau mit Eingangsfassade im neuromanischen Stil entworfen. Das Projekt und die Realisierung gingen maßgeblich auf den Wormser Stadtverordneten und Industriellen Friedrich Wilhelm (von) Schoen zurück. Dieser beabsichtigte Volksschauspiele in Worms zu etablieren und trieb daher den Bau einer Spielstätte vehement voran. Nach der Zerstörung im Jahre 1945 wurde die Spielstätte 1966 wiedereröffnet und heute als DAS WORMSER Theater, Kultur- und Tagungszentrum betrieben.
1896
Carl Zuckmayer in Nackenheim geboren

Carl Zuckmayer (geb. 1896 in der rheinhessischen Gemeinde Nackenheim) war einer der erfolgreichsten deutschen Schriftsteller der Weimarer Republik. Zu seinen bekanntesten Werken zählen Der fröhliche Weinberg (1925), Schinderhannes (1927), Katharina Knie (1928) und Der Hauptmann von Köpenick (1931). Aufgrund seiner jüdischen Herkunft mütterlicherseits und eines zusätzlichen Publikationsverbots emigrierte Carl Zuckmayer in die USA. Im Exil schrieb er Das Teufels Werk, das im Nachkriegsdeutschland stark rezipiert wurde. Ab 1958 lebte er im schweizerischen Saas-Fée, wo er 1977 verstarb.
1900
Geburt von Anna Seghers

Am 19. November 1900 in Mainz als einziges Kind einer wohlhabenden jüdischen Familie geboren, sollte Netty Reiling unter dem Pseudonym Anna Seghers zu einer der weltweit bekanntesten deutschen Schriftstellerinnen werden. Nach ihrer sorgenfreien Kindheit im jüdisch-orthodoxen und liberal-demokratischen Bildungsbürgertum, studierte sie in Heidelberg, wo sie ihren Mann kennen lernte. Mit ihm zog sie nach Berlin, wo sie – mit Ausnahme der Zeit ihres durch die nationalsozialistische Verfolgung erzwungenen Exils 1933-1947 – bis zu ihrem Tod 1983 lebte. Seit 1981 ist sie Ehrenbürgerin ihrer Heimatstadt.
Inkrafttreten des Bürgerlichen Gesetzbuches

Im Jahr 1900 wurde im gesamten deutschen Kaiserreich das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) eingeführt. Dieses bis heute geltende Gesetz regelt die privaten Beziehungen zwischen gleichgestellten Rechtspersonen. Bis zu diesem Zeitpunkt galt in Rheinhessen noch der 1804 unter Napoleon eingeführte Code civil – auch Code Napoleon genannt. Die Einwohner der früheren französischen Gebiete wollten diese Errungenschaften nach dem Wiener Kongress 1814/15 nicht aufgeben, weshalb diese sogenannten Rheinischen Institutionen in großen Teilen beibehalten wurden.
1903
Wiederaufbau des Alzeyer Schlosses fertiggestellt

Der hessische Staat wurde im Zuge der Säkularisation (Verstaatlichung des Kirchenbesitzes im frühen 19. Jahrhundert) Besitzer der Schlossruine in Alzey. Die interessante bauliche Lage über der Stadt sowie die Überlegung zu einem geeigneten Gebrauch der Ruine, trieben den Geheimen Oberbaurat Karl Christian Hofmann (1856-1933) dazu, sich zum Wiederaufbau des Schlosses zu entscheiden.
1905
Rheinhessenbuch von Karl Johann Brilmayer

Kurz vor seinem Tod schaffte es Karl Johann Brilmayer sein seit langem geplantes Hauptwerk „Rheinhessen“ zu veröffentlichen. Es behandelt entsprechend seinen eigenen einleitenden Worten die Ortsgeschichte bestehender und untergegangener „Städte, Flecken, Dörfer, Weiler und Höfe, Klöster und Burgen der Provinz“.
Gründung des 1. FSV Mainz 05

Im Mainzer Café Neuf kamen acht junge Männer zusammen um einen zunächst noch namenlosen Fußballverein zu gründen, der heute noch größte sportliche Erfolge feiert.
1908
Eröffnung der Heil- und Pflegeanstalt in Alzey

Nachdem die beiden sog. Landes-Irrenanstalten des Großherzogtums Hessen in Hofheim und Heppenheim um 1900 die steigende Zahl an Patienten kaum noch bewältigen konnten, wurde mit den Plänen für eine dritte Einrichtung begonnen. Die Stadtverordneten der Stadt Alzey warben vehement für den Bau einer Irrenanstalt in ihrer Stadt und erhielten am 1. Juli 1902 per Telegramm den Zuschlag. Die Bauarbeiten begannen am 1. Juni 1905, Eröffnung feierte die Großherzogliche Landes-Irrenanstalt am 1. November 1908. Wenig später erfolgte die Umbenennung in Großherzogliche Landes-Heil- und Pflegeanstalt.
1909
Kriegsvorbereitungen

In den Jahren vor Beginn des Ersten Weltkrieges liefen die Kriegsvorbereitungen bereits auf Hochtouren. Ausgehend von der Annahme des Schlieffenplans, dass das Deutsche Reich in einen Zweifrontenkrieg mit Frankreich und Russland geraten würde, wurde die Region um Mainz als Selzstellung zu einer der modernsten Festungslinien im Westen des Deutschen Reiches ausgebaut. Hintergrund dieser Entscheidung war die Idee, einen Offensivangriff gegen Frankreich auszuführen und dabei Mainz sowie Rheinhessen als Kriegsschauplatz für einen taktischen Schachzug einzukalkulieren. Allerdings wurde die Region während des Ersten Weltkriegs vom unmittelbaren Kriegsgeschehen verschont.
1914
Ausbruch des Ersten Weltkrieges

Im Juli 1914 überschlugen sich die Ereignisse. Die Ermordung des österreichisch-ungarischen Thronfolgers Franz Ferdinand löste eine Kette von Aktionen aus, die zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs führten. Das Deutsche Kaiserreich erklärte Russland und Frankreich am 1. August 1914 den Krieg. Es stützte sich dabei auf die scheinbare Kriegsbegeisterung der gesamten Bevölkerung. Dass dieses Augusterlebnis ein Konstrukt war und insbesondere für ländliche Regionen relativiert werden muss, ist mittlerweile bewiesen – zumal den Einwohnern Rheinhessens in den Kriegsjahren große Lasten aufgebürdet wurden.
1916
Die Hundertjahrfeier von Rheinhessen im Jahr 1916
![Deckblatt der „Festschrift der Provinz Rheinhessen zur Hundertjahrfeier. 1816-1916.“ von Heinrich Bechtolsheimer [u.a.].](https://regionalgeschichten.arnik-tech.com/wp-content/uploads/2026/05/Bechtolsheimer_Festschrift_100j_Rheinhessen_300px.jpg)
Die Feierlichkeiten zum Rheinhessen-Jubiläum 1916 fielen mit Rücksicht auf den zu jener Zeit tobenden Ersten Weltkrieg, dem auch viele Rheinhessen zum Opfer fielen, schlicht aus. Abgesehen von kleinen Gedenkfeiern in Schulen und Kirchen, bestand das Jubiläum nur aus einer feierlichen Sitzung des Provinzialtages, bei der eine Grußbotschaft des Großherzogs verlesen und eine Huldigung als Antwort beschlossen wurde. Darüber hinaus erschien noch eine Festschrift, mit der das hundertjährige Bestehen der Provinz Rheinhessen und deren Angliederung an das Großherzogtum Hessen gewürdigt wurde.
1918
„Volksstaat“ statt „Großherzogtum“

Am 9. November 1918 endete die Monarchie auch in Hessen: Ein Arbeiter-, Bauern- und Soldatenrat erklärte den letzten Großherzog für abgesetzt und eine revolutionäre Regierung übernahm die Macht. Nach der Wahl einer verfassungsgebenden Versammlung machte diese sich an die Ausarbeitung eines neuen Grundgesetzes für den zukünftigen Volksstaat Hessen, zu dem alle bisherigen Gebiete des Großherzogtums gehörten – auch die Provinz Rheinhessen. Im Dezember 1919 trat die neue Verfassung in Kraft und bis 1933 regierte in Hessen durchgängig die Weimarer Koalition aus SPD, liberaler DDP und katholischem Zentrum.
Besetzung Rheinhessens durch französische Truppen

Am Ende des Ersten Weltkrieges marschierten französische und amerikanische Truppen in das Gebiet des heutigen Rheinland-Pfalz ein und besetzten es bis zu Beginn der 1930er Jahre. Diese im Versailler Vertrag (1920) festgeschriebene Besatzung wirkte sich auf die alltägliche Lebenswelt der Bewohner in den jeweiligen Besatzungszonen unterschiedlich aus und hatte langfristige Konsequenzen im politischen, sozialen und kulturellen Bereich.
1919
Gescheiterter Putschversuch von Separatisten in Mainz und Wiesbaden
Nach Kriegsende 1918 entstanden in westdeutschen Regionen wie der Pfalz, Hessen-Nassau, dem Rheinland und Westfalen Autonomie-Bewegungen. Vielen Unterstützern dieser frühen rheinischen Bewegungen ging es nicht um die Unabhängigkeit von Deutschland, sondern um die Schaffung eines rheinischen Bundesstaats innerhalb des Deutschen Reichs. Der ehemalige Staatsanwalt Hans Adam Dorten entfaltete besonders starke separatistische Aktivitäten und rief am 1. Juni 1919 in Mainz und Wiesbaden eine Rheinische Republik aus – doch bereits nach vier Tagen mussten Dorten und seine Anhänger wegen mangelnder Unterstützung in der Bevölkerung aufgeben.
1923
Ausrufung der „Rheinischen Republik“ 1923 in Mainz
Nachdem die Separatistenbewegung im Sommer 1919 nur sehr kurzfristig von einer Rheinischen Republik träumte, kam es 1923 zu längeren separatistischen Aufständen: Von Aachen ausgehend griffen im wirtschaftlichen Krisenherbst 1923 die separatistischen Bestrebungen abermals auf das französisch besetzte Rheinhessen über. Teilweise konnten sich die Separatisten mit Hilfe der Franzosen in den von ihnen besetzten Verwaltungsgebäuden in Mainz, Worms, Alzey, Bingen und Groß-Gerau bis Februar 1924 halten. Doch letztendlich fehlte ihnen erneut die Unterstützung in der Bevölkerung für ihren Erfolg.
1930
Abzug der französischen Besatzungstruppen

Die im Versailler Vertrag von 1920 festgeschriebene alliierte Rheinlandbesetzung wurde vom Großteil der Bewohner Rheinhessens als große Last empfunden. Neben der Anwesenheit der Militärs und der Notwendigkeit des wirtschaftlichen Wiederaufbaus bei gleichzeitigen Beschränkungen und hohen Reparationszahlungen sahen sich viele vor allem durch den Kriegsschuldartikel gedemütigt. Der bis Mai 1930 erfolgte Abzug der Besatzungstruppen wurde daher als sogenannte Rheinlandbefreiung in vielen Städten umfangreich gefeiert.
1933
Einrichtung des KZ Osthofen

Am 1. Mai 1933 ordnete Dr. Werner Best, der Staatskommissar für das Polizeiwesen in Hessen, die Schaffung eines Konzentrationslagers für den Volksstaat Hessen in Osthofen bei Worms an. Eine leerstehende Papierfabrik wurde dort bereits seit März zu diesem Zweck genutzt. Mehr als 3000 Personen (überwiegend politische Häftlinge) wurden hier für etwa drei bis vier Wochen unter menschenverachtenden Bedingungen inhaftiert. Im Unterschied zu anderen Konzentrationslagern kam es im KZ Osthofen zu keinen Todesfällen. Als eines der letzten frühen KZs wurde es im Juli 1934 wieder aufgelöst.
1936
Remilitarisierung des Rheinlands

Am 07. März 1936 fand die Operation Winterübung statt, so wurde die Remilitarisierung des Rheinlandes vom NS-Regime genannt. Dabei überquerte eine Gruppe von 22.000 Soldaten bei Köln den Rhein und bezog Stellungen in unmittelbarer Nähe des östlichen Rheinufers. Dies war ein Bruch des Versailler Vertrags.
1938
Novemberpogrome und Deportationen

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 brannten im ganzen Deutschen Reich die Synagogen.
Der Pogromnacht war eine antijüdische Propagandawelle vorausgegangen. Die Nationalsozialisten sahen infolge des Münchener Abkommens vom September 1938 ihre Machtposition außenpolitisch gefestigt und konnten nun ohne Rücksicht mit der lange geplanten systematischen Vertreibung und Vernichtung der Juden beginnen.
Im Mai 1940 wurden zunächst die Sinti nach Auschwitz-Birkenau verschleppt – im März und September 1942 folgten drei Massendeportationen der rheinhessischen Juden. Nur sehr wenige überlebten.
1945
Das Kriegsende in Rheinhessen 1945

Rheinhessen wurde im Kriegsverlauf stark bombardiert, sodass die Zentren der größeren Städte in Teilen zerstört wurden. Im März 1945 eroberten die Amerikaner dann, zumeist ohne Blutvergießen, in schnellem Tempo die rheinhessischen Gemeinden.
1946
Eröffnung der Johannes Gutenberg-Universität

Am 22. Mai 1946 wurde die Johannes Gutenberg-Universität in Mainz neu eröffnet. Die erste Mainzer Universität wurde bereits im Jahr 1477 auf Initiative des damaligen Mainzer Erzbischofs gegründet, jedoch um 1800 durch Napoleon geschlossen. Nach Kriegsende 1945 setzte sich die französische Militärregierung jedoch das Ziel, in einer wiedereröffneten Mainzer Universität die künftige Erziehung in einem neuen Geist zu leisten. Im Sommersemester 1946 waren 2088 Studenten immatrikuliert und 89 Dozenten leiteten den Lehrbetrieb in der ehemaligen Flakkaserne in der Saarstraße 21.
1947
Das rheinhessische „Nein“ zur neuen Landesverfassung

Im Regierungsbezirk Rheinhessen wurde die neue Landesverfassung bei einer Volksabstimmung am 18. Mai 1947 von 53,2% der wählenden Bürger abgelehnt. Einer der ausschlaggebenden Gründe hierfür war die vorgesehene Wiedereinführung von Konfessionsschulen, welche sogar von 67% der Rheinhessen abgelehnt wurde. Im Norden von Rheinland-Pfalz sah das jedoch anders aus: Insgesamt stimmten 53% der Rheinland-Pfälzer für die Verfassung, sodass diese in Kraft treten konnte. Am gleichen Tag fand auch die erste Wahl zum rheinland-pfälzischen Landtag statt, bei der die CDU stärkste Kraft wurde.
1950
Mainz wird Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz

Bereits bei der Gründung des neuen Landes Rheinland-Pfalz hatte die französische Besatzungsmacht Mainz als Hauptstadt festgelegt. Da die Stadt jedoch so stark zerstört war, dass sich nicht genügend nutzbare Gebäude für Landtag, Landesregierung und Verwaltung fanden, richteten sich diese zunächst in Koblenz ein. Nach hitzigen Diskussionen beschloss der Landtag am 16. Mai 1950 den Umzug. Dieser Beschluss gilt als wichtige Grundlage zum Erhalt von Rheinland-Pfalz, da sich durch die geographisch zentraler gelegene Hauptstadt Mainz Pfälzer und Rheinhessen dem neuen Land stärker verbunden fühlten.
1952
Das Jenaer Glaswerk Schott & Gen. kommt nach Mainz

Nach dem Zweiten Weltkrieg verbrachten die amerikanischen Besatzer zahlreiche Glasmacher in die amerikanische Besatzungszone, wo sie an mehreren Standorten die Produktion wieder aufnahmen. 1952 siedelte sich das Unternehmen schließlich in Mainz an.
1956
Volksbegehren zur Wiederangliederung Rheinhessens an Hessen

Neben vier weiteren Volksbegehren in Rheinland-Pfalz wurde in Rheinhessen vom 9. bis zum 22. April 1956 über eine Wiederangliederung der Region an Hessen diskutiert. Die Volksabstimmung wurde jedoch bis 1975 verzögert.
1960
Gründung des Instituts für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz

Das Institut für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz e.V. gehört zu den traditionsreichen Stätten landesgeschichtlicher Forschung in Deutschland. Das interdisziplinär ausgerichtete Institut besteht aus den Abteilungen „Landes- und Verfassungsgeschichte“ und „Landeskundliche Sprach- und Volksforschung“. Es widmet sich der Erforschung der Geschichte des heutigen Bundeslandes Rheinland-Pfalz und der mit ihm historisch verbundenen Gebiete. Gegründet wurde das An-Institut der Mainzer Universität, dessen Basis ein eingetragener Verein ist, am 1. April 1960 auf Betreiben von Ludwig Petry.
1963
ZDF in Mainz

1.April 1963. Das „Zweite Deutsche Fernsehen“ (ZDF) geht auf Sendung. Von nun an konnten die Zuschauer zwischen dem Ersten Programm, das von der ARD produziert wird, und dem Zweiten Programm des ZDFs auswählen. Die Voraussetzung für eine bundweite Fernsehanstalt war eine rechtliche Grundlage, das „Erste Fernsehurteil“. Es gab dem Programm des ZDFs den Anspruch der „demokratischen Grundordnung [zu] entsprechen und eine unabhängige Meinungsbildung [zu] ermöglichen“. Das Fernsehurteil und die Gründung des ZDFs führten zu einer rasanten, stetig voranschreitenden Medienlandschaft.
1969
Gebietsreformen in Rheinland-Pfalz 1966 bis 1974 und die Gründung der Verbandsgemeinden
Rheinland-Pfalz hat als erstes Bundesland in der jungen Bundesrepublik eine umfassende Gebiets- und Verwaltungsreform angestoßen. Hinter dem Schlagwort der „Verwaltungsvereinfachung“ steckte ein gewaltiges Reformvorhaben, das sich über mehr als acht Jahre erstreckte und die Verwaltungsstrukturen tiefgreifend veränderte. So führten insgesamt 18 Landesgesetze zwischen 1966 und 1974 unter den Regierungen Altmeier und Kohl zur Zusammenlegung von Regierungsbezirken und Kreisen, der Eingemeindung von Gemeinden in Städte sowie zur Schaffung der neuen Verwaltungseinheit der Verbandsgemeinden.
1975
Volksentscheid: Rheinhessen bleibt Teil von Rheinland-Pfalz!

Nachdem ein Volksbegehren zur Wiederangliederung an Hessen 1956 erfolgreich verlief, wurde der daraus folgende Volksentscheid erst 1975 durchgeführt. Das Ergebnis sprach eindeutig für einen Verbleib Rheinhessens in Rheinland-Pfalz.
1978
Besuch der Queen in Mainz
Nach einem ersten Aufenthalt in Rheinland-Pfalz in den 60er Jahren, besuchte Königin Elisabeth II. als erste britische Königin nach 133 Jahren während ihres Deutschlandaufenthaltes am Dienstag, den 23. Mai 1978 die rheinland-pfälzische Hauptstadt Mainz.
1985
Glykolwein-Skandal

Wie bereits im Frühjahr in Österreich, wurde 1985 in rheinhessischen Weinen das Frostschutzmittel Diethylenglykol nachgewiesen. Der Skandal führte zu einem Umdenken mit schärferen Kontrollen und einer Entwicklung hin zu qualitätsvolleren Weinen.
1990
Wiedervereinigung

Auch in Rheinhessen wurde die Deutsche Wiedervereinigung gefeiert. Der damalige Mainzer Bischof und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Lehmann sprach bei einem zentralen ökumenischen Gottesdienst in Berlin am Tag der Wiedervereinigung einerseits von Chancen, wies aber auch auf Probleme in der Integration der DDR-Bürger hin, mit denen man sich nun auseinandersetzen müsse. Außerdem wurden die zentralen Feierlichkeiten des Tages der deutschen Einheit 2001 und 2017 in Mainz gefeiert.
1998
Fusion von Südwestfunk und Süddeutschem Rundfunk

Der Südwestrundfunk (SWR) übernahm den Sendebetrieb der beiden Rundfunkanstalten Südwestfunk (SWF) und Süddeutscher Rundfunk (SDR). Vor der Gründung des SWR gab es den Sonderfall von zwei verschiedenen Rundfunkanstalten im Bundesland Baden-Württemberg, von der eine auch für Rheinland-Pfalz zuständig war. Der Grund für diese beiden Rundfunkanstalten geht auf die Teilung des baden-württembergischen Gebietes in eine französische und eine britische Besatzungszone zurück. Der Fusion ging eine in den 70er Jahren beginnende Diskussion über eine mögliche Dreiländeranstalt mit dem SR voraus, welche jedoch nicht realisiert wurde. Erster Intendant wurde 1998 der bisherige SWF-Intendant Peter Voß.
2000
Auflösung der Regierungsbezirke
Im Jahr 2000 wurden die Regierungsbezirke im zuge einer Verwaltungsreform aufgelöst. Der Bezirk Rheinhessen ist seitdem keine amtliche Verwaltungseinheit mehr. Der Name „Rheinhessen“ existiert jedoch weiter, vor allem als Weinregion.
2010
Die rheinland-pfälzische Kommunal- und Verwaltungsreform seit 2010
Nachdem seit der letzten größeren Gebietsreform in Rheinland-Pfalz schon wieder 30 Jahre vergangen waren, nahm die Landesregierung 2004 eine neue Kommunal- und Verwaltungsreform in Angriff. Mit einem Landesgesetz wurde schließlich im September 2010 ein neuer Zuschnitt von Verbandsgemeinden und verbandsfreien Gemeinde beschlossen. Die Verwaltung sollte durch die Zusammenlegung von Verbandsgemeinden schlanker werden und Doppelstrukturen sollten verschwinden. In Rheinhessen entstand die größte Verbandsgemeinde des Landes (Rhein-Selz). Nach dieser ersten Reformstufe soll noch eine Kreisreform folgen.
2016
Rheinhessen feiert sein 200-jähriges Jubiläum

Mit einem vollen Programm feierte man in Rheinhessen 2016 den 200-jährigen Geburtstag des Landesteils. Insgesamt sollten an den 366 Tage des Jahres über 600 größere und kleinere Veranstaltungen stattfinden. Die beiden ganzjährigen Veranstaltungsreihen „Rheinhessen historisch“ und „Rheinhessen Tag für Tag“ trugen das Jubiläum in die gesamte Region. Höhepunkte waren neben dem offiziellen Festakt auch der Rheinland-Pfalz-Tag in Alzey, die Wahl der Deutschen Weinkönigin und der statt dem Mainzer Rosenmontagsumzug stattfindende Festumzug im Mai.